|
||
|
|
|
Stand der Forschung Der
Großteil der verfügbaren Literatur bezieht sich auf staatspolitische
Beziehungen zwischen Deutschland und den Niederlanden. Standardwerke von
Wielenga (bspw. Wielenga 2000) und Lademacher (hauptsächlich Lademacher 1989,
Lademacher 2000) legen ihren Fokus hierbei meist auf die Schilderung regionaler
Unterschiede auf niederländischer Seiten. Exemplarisch wird auch die
kommunal/regionale Zusammenarbeit auf deutscher Seite hauptsächlich aus
nordrhein-westfälischer Sicht dokumentiert. Als Grund hierfür ist die größere
Bevölkerungsdichte im nordrhein-westfälisch-niederländischen Grenzgebiet zu
sehen und die damit einhergehende quantitativ größere Kontaktfrequenz. Umfassende
Werke, welche die niedersächsisch-niederländischen Beziehungen dokumentieren,
sind nicht vorhanden.
Bei
den grenznahen Verbünden Ems-Dollart-Region, EUREGIOs und Wissensregion werden
in unregelmäßigen Abständen Datenerhebungen zur Beteiligungsbereitschaft
durchgeführt. Die Datenbestände haben meist nur den Umfang einer Adressenliste
(vgl. Koentopp / Woltering 2003). In
die vorhandenen Werke kommunal/regionaler Zusammenarbeit sind bisher nur ausgewählte,
vom Finanzierungsvolumen große Projekte eingegangen (vgl. Schramm 2000 und
Ecker / Vrinds 2000). Diese Auswahldarstellungen werden überwiegend aus den
Projekten heraus verfasst und berichten subjektiv positiv, da sie häufig
Entscheidungsgrundlage für eine Weiterfinanzierung sind. Empirische
Auswertungen bestehen deshalb auch nur für die Ems-Dollart-Region und die Neue
Hanse Interregio im Rahmen einer Arbeit (Student 2000). Die
größeren Kontaktzentren wie beispielsweise die Volkshochschule Papenburg und
das Europahaus in Aurich mit einem umfassenden Sprach- und Kulturprogramm
dokumentieren, aber evaluieren nicht ihre Tätigkeiten. Eine Vernetzung auch mit
anderen Kontaktzentren ist nicht vorhanden. Bei den Industrie- und
Handelskammern und kommunalen Wirtschaftförderungen ist eine Vernetzungsneigung
auch im Bezug auf Kontakte in die Niederlande nur gering ausgeprägt, da sie in
Konkurrenz zueinander stehen. Der
Auslands-Kontakt zwischen Schulen wurde bisher von den Bezirksregierungen
kontrolliert aber nicht evaluiert. Einzige Datenerhebung war die der
Bezirksregierung Weser-Ems, die den Niederländisch-Unterricht an Schulen
umfasste (Bezirksregierung Weser-Ems 2000). Die
durch privates und persönliches Engagement entstandenen Kontakte in Vereinen
oder anderen Gemeinschaften finden in Forschungsarbeiten keine Berücksichtigung. Die
einzige wissenschaftliche Einrichtung in Deutschland, die sich ausschließlich
den Niederlanden und Flandern widmet, ist das Zentrum für Niederlande-Studien
in Münster. Aufgrund seiner geografisch-finanzierungspolitischen Lage liegt der
Fokus bei den deutsch-niederländischen Beziehungen auf den Kontakten nach und
aus Nordrhein-Westfalen. Literatur über niedersächsische Kontakte ist kaum und
Forschungsprojekte mit niedersächsischem Bezug sind gar nicht vorhanden. Eine Münsteraner
Publikation listet Projekte zur Niederlandeforschung in Deutschland seit 1995
auf (Riek / Wielenga 2003).
Es
ist nicht verwunderlich, dass Forschung über Regionen und deren Bildung
intensiv betrieben wird, da ein 'Europa der Regionen' politisch gewollt ist
(vgl. Bauer 1994 und Hrbek / Weyand 1994): "Ohne die Regionen hat das Europa,
dessen Integration seit über fünfzig Jahren erfolgreich vorangetrieben wird,
kaum eine Zukunft." (Santer 2003: 8). Der Tenor ist meist: Europa hat die
Regionen dringend nötig und regionale Gebietskörperschaften müssen
substanziell gestärkt werden (vgl. Alemann 2000 und Lammers 1999). Viele
Publikationen beschäftigen sich intensiv mit den 'Regionen' als normatives
Konzept (vgl. bspw. Conzelmann / Knodt 2002 und Ruge 2003). Für ausgewählte
Gebiete wurden in den letzten Jahren Daten erhoben und ausgewertet, um regionale
Entwicklungspotenziale zu erkennen. Die Suche nach Indikatoren für die
Entwicklung zu einer Region scheint schwierig (vgl. Ott 1998) und von der
Sichtweise (bspw. politikwissenschaftlich, geographisch oder historisch) beengt
(vgl. Sturm 2001). Viele
Veröffentlichungen haben deshalb kein umfassendes Konzept, sondern Stellen
verschiedene Sichtweisen gegenüber (vgl. Sturm 2001). Diese reine Gegenüberstellung
kann beispielsweise dazu führen, dass Untersuchungsergebnisse politisch
instrumentalisiert werden: So wurden die Ansätze 'Kulturregion Öresund'
(historische Zusammengehörigkeit) und 'Wirtschaftsregion Öresund' (neue
Region für Wirtschaftswachstum) gegeneinander politisch ausgespielt (vgl. Stein
2000). Stellt sich die Frage, wie weit eine Regionenbildung von
wissenschaftlichen und politischen Eliten 'produziert' wird und in der
Gesellschaft nur 'reproduziert' wird. In
den letzten Jahr kamen vermehrt kritische Stimmen in der Forschung auf, die
Zweifel an grundsätzlichen Konzepten zur Region und deren 'realpolitischer
Wirkungslosigkeit' aufzeigten (besonders Ruge 2003): "Bei näherem Hinsehen
indes wird deutlich, dass sich dieser Paradigmenwechsel hin zu kooperativen
Formen des Regierens häufig nur vordergründig vollzogen hat." (Vorwort zu
Knodt 1996: 1) Allen
Veröffentlichungen ist abschließend gemein, dass die Schwierigkeiten bei der
Bildung nationaler Region bei der Grenzüberschreitung in vielen Bereichen verstärkt
werden. Aber auch Chancen darin liegen, bei grenzüberschreitenden Kooperationen
weniger Konkurrenz (bspw. in Bezug auf nationale Fördergelder) zwischen den
beteiligten Gemeinden zu erzeugen. Regionen
mit niedersächsischer Beteiligung finden in größeren Untersuchungen keine Erwähnung.
Nur Ballungszentren (bspw. das Rhein-Ruhr-Gebiet) oder Regionen mit langer
gemeinsamer Geschichte (bspw. die Region Saar-Lor-Lux) wurden bisher ausführlich
untersucht (vgl. Hamm / Kampmann 1995 und Santer 2003). Die Frage, ob und wie die niedersächsisch-niederländischen Grenzgebiete eine Region in Europa bilden können, ist daher dringend zu beantworten, um die Effektivität der politischen Strukturen diesbezüglich zu steigern.
|
| Startseite | Kontakt | Impressum | ||