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Fragestellung Aus
den obigen Überlegungen ergeben sich folgende zwei Hauptfragen: 1. Wie können die niedersächsisch-niederländischen Beziehungen auf politischer Ebene die Zusammenarbeit und das Zusammenleben beiderseits der Grenze so stärken, dass sich hieraus eine grenzüberschreitende Region bilden kann? 2.
Kann der Weg zu einer grenzüberschreitenden Region mit niedersächsischer
Beteiligung als exemplarisch für andere Gebiete in Europa gelten und damit
allgemeine Strukturierungsansätze liefern?
Im
Einzelnen sind daher zu beantworten: a)
Welche Kontakte bestehen bisher und wer ist an ihnen beteiligt? Zu
untersuchen sind sowohl die Kontakte auf landes- sowie
kommunal/regionalpolitischer Ebene unter besonderem Bezug auf Wirtschaft,
Forschung und Entwicklung bis hin zu Bildung und Kultur. Zu klären gilt, wer an
den Kontakten beteiligt ist und ob Koordinierungsstrukturen vorhanden sind.
Einen starken Einfluss üben hier die unterschiedlichen Verwaltungsstrukturen
und damit einhergehenden unterschiedlichen Kompetenzverteilungen aus. In
Deutschland besteht ein Verwaltungssystem mit vier Ebenen (Bund, Bundesland,
Kreis und Gemeinde), wobei die Gemeinden dem sog. 'skandinavischen Modell',
mit einem hohen Anteil an öffentlichen Ausgaben und selbständiger Erhebung von
Steuern, zuzuordnen sind (vgl. Herwijer
2003). Die
niederländischen Gemeinden in einem Verwaltungssystem mit drei Ebenen (Staat,
Provinz und Gemeinde) weisen hingegen sowohl Merkmale des skandinavischen
Modells als auch der Napoleontischen Gemeinde (keine eigenen Einnahmequellen,
wenig Autonomie, vgl. Herwijer 2003) auf. "Einerseits laufen auch hier fast fünfzig
Prozent aller Staatsausgaben über die Gemeinde. Dieser steht zudem nur eine
wenig tatkräftige mittlere, provinziale Verwaltungsebene gegenüber, welche
somit nicht als Konkurrenz angesehen werden kann. Auf der anderen Seite haben
die niederländischen Gemeinden aber fast keine eigenen Steuerquellen und sind
aufgrund vieler Auftragsaufgaben nur beschränkt autonom" (Herweijer 2003: 2). Aufgrund
dieser unterschiedlichen Verwaltungsstrukturen sind in beiden Ländern
unterschiedliche Ebenen in Entscheidungen involviert. Beispielsweise in den
Bereichen der sozialen Sicherheit und des Mietwohnungsbaus haben in Deutschland
die kommunalen Ebenen einen großen Entscheidungsspielraum, während in den
Niederlanden die Provinzen weisungsgebend sind. Es
muss also genau herausgearbeitet werden, welche Qualität die einzelnen Kontakte
haben. Man darf hier nicht dem Irrtum verfallen, dass Kontakte auf einer höheren
Ebene gleichzusetzen sind mit größerem Einfluss auf den Erfolg der
Beziehungen. Hieraus ergibt sich die Frage: b)
Auf welchen politischen Ebenen ist es sinnvoll, Kontakte zu initiieren
und zu forcieren? So
sind für ein ausgedehntes Gebiet in Deutschland die Kreisbehörden ein
potenzieller Partner, während es in den Niederlanden aufgrund des
Verwaltungssystems mit drei Ebenen keine dementsprechenden Partner geben kann
(vgl. Everink 2002). Dennoch besteht auch in den Niederlanden eine Form der
Verwaltung auf überkommunaler Ebene, beispielsweise im Bereich der Wirtschaftsförderung.
Anders als in Deutschland kann eine
interkommunale Zusamm Die bloße Kenntnis dieser Begebenheit müsste dazu führen, bestimmte Projekte (vielleicht die, mit zu unterschiedlichen Zusammensetzungen beiderseits der Grenze) erst gar nicht in Angriff zu nehmen. Oder gibt es auf allen Feldern wenn nicht einen, so dann mehrere Wege der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit? c)
Gibt es für die niedersächsisch-niederländischen Beziehungen ein
'Best practice'? Sollten
sich effiziente Strukturen in einzelnen Projekten oder Teilbereichen
herauskristallisieren, so stellt sich die Frage, ob diese Strukturen auf andere
Projekte und Bereiche zu übertragen sind und zu gleich guten Ergebnissen führen
können. Wie unter b) erwähnt sind Probleme in der überregionalen Zusammenarbeit aufgrund unterschiedlicher Kompetenzverteilungen zu erkennen. Darf dieses aber zu der Schlussfolgerung führen, dass regional initiierte Projekte wie der grenzüberschreitende Gewerbepark Europark Emlichheim/Coevorden näher an 'Best practice' sind, obwohl bei diesem Beispiel die Initiatoren den Einfluss des Landes Niedersachsens und der Provinz Drenthe (vor allem als Motivatoren) besonders betonen (vgl. Ecker / Vrinds 2000)? d)
Welche Potenziale finden sich in Niedersachsen in Bezug auf die Schaffung
einer grenzüberschreitenden Region und können daraus allgemeingültige
Strukturen für die niedersächsisch-niederländischen Beziehungen schematisiert
werden? Umstrukturierungsansätze müssten auf die vorhandenen politischen Strukturen abgestimmt werden. Realisierungschancen müssten mittelfristig erkennbar und mit rechtlichen Regelungen und auf formale Abkommen abgestimmt sein. Unter welchen Bedingungen (zeitlich, strukturell, gesellschaftlich) eine grenzüberschreitende Region erreicht und wann von der Ziel- oder zumindest Teilzielerreichung gesprochen werden kann, ist zu definieren, zu evaluieren und ggf. während der Projekt- bzw. Kontaktphasen zu korrigieren. Welche Durchsetzungsmechanismen (bspw. 'Bottom up' oder 'Top down') greifen und wie stark sind ihre Erfolge? Eine
starke grenzüberschreitende Koordinierung gibt es zur Zeit bspw. im
Katastrophenschutz (EUREGIO und Ems-Dollart-Region). Aber ist hier eine optimale
Stufe der Zusammenarbeit schon erreicht oder sind Potenziale noch ausschöpfbar?
Können andere Bereiche einbezogen werden? Wie werden die niedersächsisch-niederländischen Potenziale in Bereichen unter Brüssel-nationalen Einflüssen (bspw. bei den EU-Strukturfonds oder in der Agrarpolitik) beurteilt und gefördert? e)
Sind allgemeingültige Strukturen niedersächsisch-niederländischer
Beziehungen übertragbar auf andere Gebiete in Europa? Wenn
die regionale Integration in Grenzregionen möglich ist, welche Rolle spielen
dabei politische Strukturen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit? Sollten
oder müssen Strukturierungsansätze auf schon vorhandene Zusammenarbeit
aufbauen oder sind die Ansätze auf alle Gebiete in denen die Bildung einer
grenzüberschreitende Region gewollt wird, anwendbar. Wie universell können
Strukturierungsansätze sein?
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